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Freiberg am Neckar (Druckversion)

Neckar & Hochwasserschutz

Wildes Wasser

Der Neckar entspringt im Naturschutzgebiet Schwenninger-Moos (Villingen-Schwenningen) auf 706 Meter Höhe und mündet nach 367 km in Mannheim in den Rhein (auf 95 m Meereshöhe). Somit überwindet er einen Höhenunterschied von 611 m. Benningen ist in einer charakteristischen Neckarschleife, 155 km von der Mündung entfernt gelegen.

Mit 140 m³/s Abfluss ist der Neckar nach der Aare (Schweiz), der Mosel und dem Main der größte Nebenfluss des Rheins. Das Einzugsgebiet des Neckars umfasst mit ca. 14.000 km² zentrale Teile des Bundeslandes Baden-Württemberg. Der Name Neckar leitet sich aus der keltischen Sprache ab und bedeutet etwa "wildes Wasser". Die Namensentwicklung beginnt schon zu vorchristlicher Zeit und führt über die Ausdrücke "Nikros", "Nicarus", "Neccarus" zu "Necker" und schließlich zu "Neckar".

Die Bundeswasserstraße

In den 50er Jahren wurde der Neckar zu einer Bundeswasserstraße ausgebaut und ist von der Mündung bis nach Plochingen schiffbar. Neckarhäfen gibt es in Mannheim, Heilbronn, Stuttgart und Plochingen. Der Neckar wird als Bundeswasserstraße von den Wasser- und Schifffahrtsämtern Heidelberg und Stuttgart verwaltet. Insgesamt existieren zwischen Mannheim und Plochingen 27 Schleusen mit einer Länge von jeweils 110 m und einer Breite von 12 m. Damit können 105 m lange Schiffe diese Bauwerke passieren.

Erlebbare Natur

Wenn man den Neckartal-Radweg entlang fährt, kommt man am sogenannten "Neckarparadies" vorbei. 1998 wurde auf einer Länge von rund 1 km die Talaue umgestaltet und ökologisch aufgewertet. Ein Stück erlebbare Natur in unserer hochverdichteten Region wollten die Stiftung Europäisches Naturerbe (EuroNatur), der Landkreis Ludwigsburg und zahlreiche Fachstellen und wissenschaftlichen Institutionen mit Hilfe von Sponsoren gemeinsam schaffen.

Wenn man heute auf der behindertengerecht gebauten Plattform steht, sieht man, dass neben vielen Pflanzen inzwischen auch Stockenten, Graureiher und die selten vorkommenden Eisvögel im "Neckarparadies" wohnen. In dem künstlich geschaffenen Seitenarm finden sich nun Barsche, Rotaugen, Gründlinge, Döbel, Karpfen, Zander, Hechte und sogar ein Wels. Das Angebot, wieder in einem ruhigeren und nicht einbetonierten Gewässer zu laichen, ist also von den Fischen angenommen worden.

Das Ziel des Projektes, einen wertvollen Lebensraum für in der Neckaraue beheimatete und heute selten gewordene Pflanzen und Tierarten zu schaffen und gleichzeitig Natur wieder erlebbar zu machen, ist überzeugend erreicht worden.

Hochwasserschutz - geschichtlicher Rückblick

Die Registrierung von Hochwasser und die Überlieferung der Scheitelwasserstände mit Hilfe von Hochwassermarken verbreitete sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zusehends. Nach den Napoleonischen Kriegen stieg das Interesse des Staates an der landwirtschaftlichen, gewerblichen und industriellen Nutzung der Gewässer sowie am Hochwasserschutz erheblich. Dies trug dazu bei, dass das Setzen von Hochwassermarken etwa an Brücken und Mühlen oder an massiven Gebäudeecken und Hofeinfahrten durch Staat, Gemeinden und Hausbesitzer landauf, landab als selbstverständliche Pflicht empfunden wurde.

Ende des 19. Jahrhunderts führte die Königliche Ministerialabteilung für den Straßen- und Wasserbau ein Hochwassermarkenverzeichnis ein, in dem die früheren und neuesten Hochwasserstände mit ihrer Lage und Höhe (auch in Bezug auf NN) von den Wasserbaudienststellen einzutragen waren. Leider unterblieb in unserem Jahrhundert die systematische Fortführung dieser Verzeichnisse.

Der älteste und zugleich höchste Hochwasserstand, der in Beihingen mit einer Marke überliefert und in das o.g. Verzeichnis aufgenommen worden ist, reicht in das Jahr 1824 zurück. Dieser Abfluss übertraf alle weiteren Spiegellagen der Hochwässer von 1882, 1919, 1931 und 1978 beträchtlich, wie übrigens durchweg am mittleren und unteren Neckar. 

Viele mittlere Hochwasser, die in dieser Zeit die Benninger Straße überfluteten, z.B. 1817, 1834, 1851, 1853, 1839, 1845, 1849 (nach der Höhe geordnet und auf Cannstatt bezogen) folgten. Mithin verstehen wir, weshalb die Wohnbauten in der Benninger Straßen in früheren Jahrhunderten so erstellt wurden, dass der Wohnbereich über dem höchsten bekannten Hochwasserspiegel (Hochparterre) zu liegen kam. Eine steinerne Freitreppe gestattete den direkten Zugang. Kunde über das Hochwassergeschehen in Beihingen geben auch die Gemeinderechnungsbücher.

Überschwemmungen wurden nur im Zusammenhang mit Hochwasserschäden erwähnt, so etwa 1817, als das durch das Mai-Hochwasser „eingerissene Fahrhäusle“ von Maurermeister Friedrich Fischer (1761 - 1823) wieder aufgemauert wurde oder Rößleswirt Johann Georg Canz (1781 - 1859) „Ersatz für die in seinem Garten verursachte Verwüstung“ erhielt. Beim „Pfeil“ am Neckarufer mussten bei der ortsseitigen Fährstelle die Schäden vom Hochwasser 1824 um 13 fl 20 Kr behoben werden. Desgleichen richteten Hochwässer, aber auch Eisgänge, immer wieder Zerstörungen am Neckarufer an. Nach altem Herkommen war die Gemeinde zur Instandhaltung verpflichtet, soweit sie Eigentum am Ufer besaß.

Trotz dieser Maßnahmen ist die Gefahr von Überflutungen nie auszuschließen. Informationen über die Pegel und Warnungen im Hochwasserfall können von der Hochwasserzentrale bezogen werden.

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